Vollkombination berechnen — Formel und Beispiele

Warum die Kosten schneller steigen, als man denkt
Die Vollkombination ist das mächtigste und zugleich teuerste Werkzeug bei Einlaufwetten. Sie deckt alle möglichen Reihenfolgen der gewählten Pferde ab und garantiert damit einen Treffer, wenn die gewählten Pferde tatsächlich die vorderen Plätze belegen, unabhängig von der Reihenfolge. Was viele Wetter unterschätzen: Die Zahl der Kombinationen steigt nicht linear mit der Zahl der Pferde, sondern explosiv, und mit ihr der Einsatz.
Wer Vollkombinationen ohne Kostenrechnung spielt, verbrennt Budget.
Dieser Artikel erklärt die Formeln für jede Einlaufwette, zeigt die Kosten in konkreten Zahlen und gibt eine Orientierung, ab wann eine Vollkombination sinnvoll ist und wann das Bankpferd-System die bessere Alternative bietet.
Die Formeln — je nach Wettart verschieden
Die Formel für die Anzahl der Kombinationen hängt davon ab, ob die Reihenfolge zählt oder nicht, und wie viele Plätze vorhergesagt werden müssen.
Bei der Zweierwette, bei der die exakte Reihenfolge der ersten beiden Plätze gefordert ist, lautet die Formel: n mal (n minus 1), wobei n die Anzahl der gewählten Pferde ist. Vier Pferde ergeben 12 Kombinationen, fünf Pferde 20, sechs Pferde 30. Jede Kombination kostet den Grundeinsatz, also bei einem Euro pro Kombination: 12, 20 oder 30 Euro.
Bei der Dreierwette mit exakter Reihenfolge: n mal (n minus 1) mal (n minus 2). Vier Pferde ergeben 24 Kombinationen, fünf Pferde 60, sechs Pferde 120. Bei einem Euro Grundeinsatz sind das 24, 60 oder 120 Euro für ein einziges Rennen.
120 Euro. Für sechs Pferde. In einer Dreierwette.
Bei der Viererwette steigt es weiter: n mal (n minus 1) mal (n minus 2) mal (n minus 3). Fünf Pferde ergeben 120 Kombinationen, sechs Pferde 360, sieben Pferde 840. Die Kosten explodieren mit jedem zusätzlichen Pferd.
Beim Platzzwilling, wo die Reihenfolge irrelevant ist, gilt eine andere Formel: n mal (n minus 1) geteilt durch 2. Vier Pferde ergeben 6 Kombinationen, fünf Pferde 10, sechs Pferde 15. Das ist deutlich günstiger, weil die Reihenfolge keine Rolle spielt und jede Paarung nur einmal gezählt wird.
Im französischen System existiert für Dreier- und Viererwetten die Désordre-Variante, bei der die richtigen Pferde ohne Reihenfolge genügen (France Galop). Die Zahl der Désordre-Kombinationen ist wesentlich geringer: Bei der Dreierwette Désordre aus vier Pferden gibt es nur 4 Kombinationen statt 24 in der Ordre-Variante, bei fünf Pferden 10 statt 60. Die Formel hierfür lautet: n mal (n minus 1) mal (n minus 2) geteilt durch 6. Wer über PMU-Anbieter auf französische Rennen wettet, kann durch die Désordre-Vollkombination die Kosten um den Faktor 6 senken, allerdings bei entsprechend niedrigerer Quote.
Kostentabelle — was man wirklich bezahlt
Die folgende Übersicht zeigt die Anzahl der Kombinationen bei den gängigen Einlaufwetten, abhängig von der Zahl der gewählten Pferde.
Zweierwette mit vier Pferden: 12, mit fünf: 20, mit sechs: 30, mit sieben: 42, mit acht: 56. Dreierwette mit vier Pferden: 24, mit fünf: 60, mit sechs: 120, mit sieben: 210, mit acht: 336. Viererwette mit fünf Pferden: 120, mit sechs: 360, mit sieben: 840, mit acht: 1.680. Platzzwilling mit vier Pferden: 6, mit fünf: 10, mit sechs: 15, mit sieben: 21.
Die Zahlen zeigen ein klares Muster: Jedes zusätzliche Pferd in der Auswahl verdoppelt bis verdreifacht die Kosten. Bei der Viererwette reichen schon acht Pferde, um den Einsatz auf 1.680 Euro pro Rennen zu treiben, ein Betrag, der für Einzelspieler unrealistisch ist.
Die Kosten skalieren exponentiell.
Die Faustregel für die Praxis: Bei der Zweierwette sind Vollkombinationen mit bis zu sechs Pferden noch vertretbar. Bei der Dreierwette liegt die Schmerzgrenze bei fünf Pferden. Bei der Viererwette ist die Vollkombination nur für Wettgemeinschaften oder professionelle Syndikate realistisch.
Eine Kosten-Nutzen-Frage, die sich jeder Wetter stellen sollte: Stehen die Kosten der Vollkombination in einem sinnvollen Verhältnis zur erwarteten Quote? Wenn eine Dreierwetten-Vollkombination aus fünf Pferden 60 Euro kostet und die wahrscheinlichsten Quoten im Bereich von 30 bis 80 zu 1 liegen, braucht man bei einem Euro Grundeinsatz einen Treffer mit mindestens 60 zu 1, um überhaupt den Einsatz zurückzubekommen. Bei Handicap-Rennen mit großen Feldern, wo Dreierwetten-Quoten regelmäßig dreistellig werden, kann die Vollkombination profitabel sein. Bei Gruppenrennen mit klarer Favoritenlage und Quoten unter 50 zu 1 übersteigen die Kosten häufig den realistischen Gewinn.
Einsatz-Rechner — Kosten im Voraus kalkulieren
Die Berechnung lässt sich mit einer einfachen Methode im Kopf oder auf dem Handy durchführen.
Für Zweierwetten: Anzahl der Pferde mal (Anzahl minus 1) mal Grundeinsatz. Bei fünf Pferden und 0,50 Euro Grundeinsatz: 5 mal 4 mal 0,50 gleich 10 Euro. Für Dreierwetten: Anzahl mal (Anzahl minus 1) mal (Anzahl minus 2) mal Grundeinsatz. Bei fünf Pferden und 0,50 Euro: 5 mal 4 mal 3 mal 0,50 gleich 30 Euro.
Der Grundeinsatz ist der Hebel, mit dem man die Kosten steuert. Viele Totalisator-Systeme erlauben Grundeinsätze ab 0,50 oder sogar 0,20 Euro. Wer den Grundeinsatz von einem Euro auf 0,50 Euro halbiert, halbiert die Gesamtkosten, ohne die Abdeckung zu reduzieren. Bei einer Dreierwetten-Vollkombination aus sechs Pferden sinken die Kosten von 120 auf 60 Euro, was den Unterschied zwischen einem vertretbaren und einem unvertretbaren Einsatz ausmachen kann.
Die Quote passt sich dem Grundeinsatz proportional an. Bei 0,50 Euro Grundeinsatz wird die Auszahlung auf die Hälfte reduziert. Der erwartete Wert pro eingesetztem Euro bleibt identisch, nur der absolute Betrag ändert sich.
Vor jeder Vollkombination sollte die Rechnung stehen: Gesamtkosten berechnen, mit dem realistischen Quotenbereich vergleichen und erst dann entscheiden, ob der Einsatz in einem vernünftigen Verhältnis zur erwarteten Auszahlung steht. Liegt die wahrscheinlichste Dreier-Quote bei 50 zu 1 und die Vollkombination kostet 60 Euro, braucht man einen Grundeinsatz von mindestens 1,20 Euro, um bei einem Treffer überhaupt ins Plus zu kommen. Bei 0,50 Euro Grundeinsatz wäre die Auszahlung nur 25 Euro, also weniger als die Hälfte des Einsatzes.
Vollkombi oder Bankpferd — die richtige Wahl
Die Vollkombination ist nicht immer die beste Lösung. In vielen Fällen bietet das Bankpferd-System ein besseres Kosten-Ertrags-Profil.
Beim Bankpferd-System fixiert man ein oder zwei Pferde auf bestimmten Positionen und variiert den Rest. Beispiel für eine Dreierwette: Pferd A als Bank auf Platz 1, die Plätze 2 und 3 werden mit jeweils drei Kandidaten besetzt. Das ergibt 1 mal 3 mal 2 gleich 6 Kombinationen statt der 24 einer Vollkombination aus vier Pferden. Der Einsatz sinkt um 75 Prozent, und der analytische Aufwand konzentriert sich auf die Frage, ob das Bankpferd tatsächlich gewinnt.
Die Vollkombination lohnt sich, wenn man mehrere gleichstarke Pferde identifiziert hat und sich die Reihenfolge nicht zutraut. Das Bankpferd-System lohnt sich, wenn ein Pferd mit hoher Wahrscheinlichkeit eine bestimmte Position belegt und die Variabilität nur auf den restlichen Plätzen liegt. Dazwischen gibt es die Teilkombination, bei der man bestimmte Pferde nur auf bestimmten Positionen einsetzt und damit die Kombinationszahl gezielt reduziert, ohne auf das Bankpferd-Prinzip zurückzufallen. Die Wahl zwischen diesen drei Ansätzen ist keine Geschmacksfrage, sondern das Ergebnis einer Kalkulation, die Kosten, erwartete Quoten und die eigene Einschätzung der Formhierarchie gegeneinander abwägt.
Beides sind Werkzeuge. Die Rechnung entscheidet, welches man zieht.